Verteidiger in politischen Strafverfahren
Ströbele studierte Rechts- und Politikwissenschaft und arbeitete ab 1969 als Rechtsanwalt in Berlin.1 Er gehörte dem Sozialistischen Anwaltskollektiv an, einem Zusammenschluss linker Anwälte in West-Berlin, und übernahm Verteidigungen in politischen Strafverfahren.1, 2 Bekannt war er auch unter der kürzeren Namensform Christian Ströbele.
Für die Einordnung wichtig: Wer Angeklagte vor Gericht verteidigt, macht sich deren Taten nicht zu eigen. Das Recht auf einen Verteidiger gilt in jedem Strafverfahren, auch in politisch aufgeladenen. Seine Erfahrung als Anwalt brachte Ströbele später in die Parlamentsarbeit ein.
Mitgründer von taz und Alternativer Liste
Ende der 1970er Jahre beteiligte sich Ströbele in West-Berlin an zwei Gründungen: an der Tageszeitung taz, die als Zeitungsprojekt der alternativen Szene begann, und an der Alternativen Liste.2 Die taz verstand sich als Gegenentwurf zu den etablierten Tageszeitungen und erschien ab 1979 regelmäßig.
Die Alternative Liste war die Berliner Partei der grünen und alternativen Bewegung und ging später in Bündnis 90/Die Grünen auf. Über sie fand der Anwalt den Weg in die parlamentarische Politik.
Vom Nachrücker zum ersten grünen Direktmandat
Erstmals saß Ströbele von 1985 bis 1987 im Bundestag.1 Damals galt bei den Grünen das Rotationsprinzip, nach dem Abgeordnete ihr Mandat zur Mitte der Wahlperiode weitergeben sollten. Auf diesem Weg rückte er nach. Die Partei wollte damit verhindern, dass sich ihre Abgeordneten zu Berufspolitikern entwickeln, gab die Regel aber später wieder auf.
1998 kehrte er zurück und blieb bis 2017 ohne Unterbrechung Abgeordneter.1 Besonders in Erinnerung blieb die Wahl 2002: Ströbele hatte keinen aussichtsreichen Listenplatz erhalten und kämpfte deshalb um den Berliner Wahlkreis rund um Friedrichshain und Kreuzberg. Er gewann ihn als erster Grüner überhaupt direkt.1 Sein Wahlspruch „Ströbele wählen heißt Fischer quälen“ spielte auf seine Differenzen mit dem damaligen Außenminister Joschka Fischer an.
Ein Direktmandat erhält, wer in seinem Wahlkreis die meisten Erststimmen holt. Für kleinere Parteien ist das schwer, weil ihre Bewerber meist hinter denen der großen Parteien liegen. Ströbele verteidigte den Wahlkreis 2005, 2009 und 2013.
Kontrolle der Geheimdienste und letzte Jahre
Im Bundestag befasste sich Ströbele über viele Jahre mit der Kontrolle der Nachrichtendienste, unter anderem im dafür zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium. Dieses Gremium überwacht die Arbeit von Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und Militärischem Abschirmdienst und tagt geheim.
Zur Bundestagswahl 2017 trat er nicht mehr an und schied mit dem Ende der Wahlperiode aus dem Parlament aus.1 Fünf Jahre später, im August 2022, starb Ströbele in Berlin.2, 3 Mit ihm starb einer der Politiker, die schon in den Anfangsjahren der Grünen im Bundestag gesessen hatten.
Lebenslauf von Hans-Christian Ströbele
- 1939Geburt in Halle an der Saale1, 2, 3
- ab 1969Rechtsanwalt in Berlin1
- 1985 bis 1987Mitglied des Deutschen Bundestags für die Grünen1
- 1998 bis 2017Erneut Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen1
- 2002Erstes grünes Direktmandat bei einer Bundestagswahl1
- 2022Tod in Berlin1, 2, 3
Hans-Christian Ströbele im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Hans-Christian Ströbele
- Weitere Namen
- Christian Ströbele
- Geboren
- 7. Juni 1939
- Geburtsort
- Halle an der Saale
- Gestorben
- 29. August 2022
- Sterbeort
- Berlin
- Alter beim Tod
- 83 Jahre
- Tätigkeit
- Rechtsanwalt und Politiker von Bündnis 90/Die Grünen
- Thema
- Politik
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, 3, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Hans-Christian Ströbele
Wie alt wurde Hans-Christian Ströbele?
Hans-Christian Ströbele wurde 83 Jahre alt. Geboren am 7. Juni 1939 in Halle an der Saale. Gestorben am 29. August 2022. Sterbeort: Berlin.
Was war das Besondere an Ströbeles Wahlsieg 2002?
Ströbele gewann 2002 als erster Politiker der Grünen einen Bundestagswahlkreis direkt.1 Er setzte sich in Berlin im Wahlkreis rund um Friedrichshain und Kreuzberg durch und verteidigte das Direktmandat bei den folgenden Wahlen.
Hat Hans-Christian Ströbele die taz mitgegründet?
Ja. Ströbele war an der Gründung der Tageszeitung taz beteiligt, ebenso an der Gründung der Alternativen Liste, der Berliner Partei der grünen und alternativen Bewegung.2
Wie lange saß Ströbele im Bundestag?
Zusammengerechnet rund 21 Jahre: von 1985 bis 1987 und dann ohne Unterbrechung von 1998 bis 2017.1 Zur Bundestagswahl 2017 trat er nicht mehr an.
Wo ist Hans-Christian Ströbele gestorben?
Als Sterbeort ist Berlin belegt. Gestorben am 29. August 2022.
Unter welchen Namen ist Hans-Christian Ströbele noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Christian Ströbele. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- Archivierte Abgeordnetenbiografie von Hans-Christian Ströbele in der 18. Wahlperiode (2013 bis 2017) · Deutscher Bundestag. Deutscher Bundestag. Institutionelle Primärquelle; teils Selbstauskunft oder Archivstand.https://www.bundestag.de/webarchiv/abgeordnete/biografien18/S/stroebele_hans_christian-259044
- Hans-Christian Ströbele · Munzinger Biographie. Munzinger Archiv. Biografisches Nachschlagewerk; frei sichtbarer Ausschnitt.https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/stroebele%20hans-christian/00/19566
- Hans-Christian Ströbele. Wikipedia (deutsch). Enzyklopädie; Einzelbelege und Versionsstand mitprüfen.https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Christian_Str%C3%B6bele
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



