Pfarrer in Mecklenburg
Gauck studierte in Rostock evangelische Theologie. Von 1965 bis 1990 arbeitete er als Pfarrer der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Mecklenburg, zunächst auf dem Land und später in Rostock.1, 2
Die Kirche war in der DDR einer der wenigen Orte, an denen Menschen weitgehend offen miteinander sprechen konnten. Unter ihrem Dach trafen sich in den 1980er-Jahren auch Gruppen, die sich mit Frieden, Umwelt und Menschenrechten befassten und im Herbst 1989 zu Keimzellen der Opposition wurden. In diesem Umfeld arbeitete Gauck ein Vierteljahrhundert lang als Gemeindepfarrer, bevor er selbst politisch hervortrat.
Herbst 1989 und die erste freie Volkskammer
Im Herbst 1989 schloss sich Gauck der Bürgerrechtsbewegung an.1, 2 In Rostock engagierte er sich im Neuen Forum und wurde zu einer bekannten Stimme der friedlichen Revolution in der Stadt.
Bei der ersten freien Wahl zur Volkskammer im März 1990 wurde er Abgeordneter für das Bündnis 90.1 Im Parlament leitete er den Sonderausschuss, der die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit überwachen sollte. Damit begann das Thema, das sein weiteres Berufsleben bestimmen sollte: der Umgang mit den Akten der Stasi.
Die Gauck-Behörde und die Stasi-Akten
Mit der deutschen Einheit im Oktober 1990 übernahm Gauck die Verantwortung für die Stasi-Unterlagen, zunächst als Sonderbeauftragter der Bundesregierung. Nach dem Inkrafttreten des Stasi-Unterlagen-Gesetzes Ende 1991 trug er den Titel Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Das Amt hatte er bis 2000 inne.1, 2 Seine Behörde machte die Akten für Betroffene, Forschung und Medien zugänglich, und bald sprach man nur noch von der Gauck-Behörde. Viele Menschen erfuhren erst durch die Akteneinsicht, wer sie bespitzelt hatte. Außerdem prüfte die Behörde auf Anfrage, ob Beschäftigte im öffentlichen Dienst früher für die Stasi gearbeitet hatten.
Auf Gauck folgten Marianne Birthler und Roland Jahn. Die Behörde in dieser Form gibt es heute nicht mehr: Seit 2021 gehören die Stasi-Unterlagen zum Bundesarchiv, das sie als Stasi-Unterlagen-Archiv weiter für Akteneinsicht und Forschung bereithält.
Staatsoberhaupt nach dem Rücktritt Wulffs
Schon 2010 hatten SPD und Grüne Gauck für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen, damals setzte sich Christian Wulff durch. Nach Wulffs Rücktritt 2012 unterstützten Union, FDP, SPD und Grüne gemeinsam Gaucks Kandidatur. Im März 2012 wählte die Bundesversammlung den parteilosen Theologen zum Staatsoberhaupt.1
Freiheit wurde zum Leitbegriff seiner Amtszeit, in Reden ebenso wie in Büchern. Viel beachtet war seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2014, in der er dafür warb, dass Deutschland international mehr Verantwortung übernimmt. Für eine zweite Amtszeit stand Gauck 2017 nicht zur Verfügung, sein Nachfolger wurde Frank-Walter Steinmeier.1
Lebenslauf von Joachim Gauck
- 1940Geburt in Rostock1, 2
- 1965 bis 1990Evangelisch-lutherischer Pfarrer in Mecklenburg1, 2
- 1989Engagement in der Bürgerrechtsbewegung der DDR1, 2
- 1990Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer1
- 1990 bis 2000Sonderbeauftragter, dann Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR1, 2
- 2012 bis 2017Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland1
Joachim Gauck im Steckbrief
- Name
- Joachim Gauck
- Geboren
- 24. Januar 1940
- Geburtsort
- Rostock
- Alter
- 86 Jahre (Stand 11. Oktober 2026)
- Tätigkeit
- Theologe, Bürgerrechtler und ehemaliger Bundespräsident
- Thema
- Politik
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Das Alter ist zum 11. Oktober 2026 berechnet.
Häufige Fragen zu Joachim Gauck
Wie alt ist Joachim Gauck?
Joachim Gauck ist 86 Jahre alt, Stand Oktober 2026. Geboren wurde Gauck am 24. Januar 1940 in Rostock. Am 24. Januar 2027 steht der 87. Geburtstag an.
Was war die Gauck-Behörde?
So nannte man die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, die Gauck von 1990 bis 2000 leitete.1 Sie verwaltete die Stasi-Akten und ermöglichte Einsicht. Seit 2021 liegen die Unterlagen im Bundesarchiv.
Wann war Joachim Gauck Bundespräsident?
Von 2012 bis 2017. Er folgte auf Christian Wulff, der zurückgetreten war, und verzichtete nach einer Amtszeit auf eine erneute Kandidatur. Sein Nachfolger wurde Frank-Walter Steinmeier.1
Welche Rolle spielte Joachim Gauck in der DDR?
Er war Pfarrer in Mecklenburg und schloss sich im Herbst 1989 der Bürgerrechtsbewegung an. 1990 zog er als Abgeordneter in die erste frei gewählte Volkskammer ein.1, 2
Wo wurde Joachim Gauck geboren?
Joachim Gauck wurde in Rostock geboren, und zwar am 24. Januar 1940.
Quellen
- Der Bundespräsident · Joachim Gauck. Bundespräsidialamt. Institutionelle Primärquelle.https://www.bundespraesident.de/DE/amt-und-aufgaben/ehemalige-bundespraesidenten/joachim-gauck/joachim-gauck_node.html
- LeMO Biografie Joachim Gauck. Haus der Geschichte, LeMO. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.hdg.de/lemo/biografie/joachim-gauck
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



