Vom Anwalt in Osnabrück zum Oppositionsführer
Wulff wuchs in Osnabrück auf. Er studierte dort Rechtswissenschaft und arbeitete anschließend als Rechtsanwalt.1 Politisch war er schon als junger Mann in den Nachwuchsorganisationen der Union aktiv und stieg in der niedersächsischen CDU rasch auf.
Zweimal trat er als Spitzenkandidat gegen Gerhard Schröder an, 1994 und 1998, und verlor beide Landtagswahlen deutlich. Bei der ersten Kandidatur war Wulff 34 Jahre alt. Ab 1994 saß er im Landtag in Hannover, führte dort die CDU-Fraktion und war damit Oppositionsführer.
Sieben Jahre Ministerpräsident in Hannover
Im dritten Anlauf gelang der Wechsel: Bei der Landtagswahl 2003 löste die CDU die SPD an der Regierung ab, und Wulff folgte Sigmar Gabriel als Ministerpräsident von Niedersachsen.1, 3 Er regierte gemeinsam mit der FDP. In seine Regierungszeit fielen unter anderem die Auflösung der Bezirksregierungen und die Einführung von Studiengebühren in Niedersachsen. Bei der Landtagswahl 2008 verlor die CDU zwar Stimmen, die Koalition konnte aber weiterregieren.
Als Regierungschef saß Wulff, wie es für Niedersachsens Ministerpräsidenten üblich ist, im Aufsichtsrat von Volkswagen, an dem das Land beteiligt ist. Auch in der Bundespartei hatte sein Wort Gewicht: Über viele Jahre gehörte er als stellvertretender Bundesvorsitzender zur engeren Führung der CDU.
Die Wahl 2010 und der Satz über den Islam
Nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler nominierten CDU, CSU und FDP Wulff für das Amt des Bundespräsidenten. Obwohl die drei Parteien in der Bundesversammlung, die aus allen Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Delegierten der Länder besteht, eine Mehrheit hatten, verfehlte er in den ersten beiden Wahlgängen die absolute Mehrheit. Gewählt wurde er 2010 erst im dritten Durchgang.1 Sein Gegenkandidat war der von SPD und Grünen unterstützte Joachim Gauck. Wulff war bei seiner Wahl 51 Jahre alt und machte die Integration zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit.
Große Aufmerksamkeit fand seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2010, dem 20. Jahrestag der Wiedervereinigung. Wulff sagte darin, neben Christentum und Judentum gehöre inzwischen auch der Islam zu Deutschland. Der Satz löste eine lange Debatte über Zugehörigkeit und Integration aus, Regierungsmitglieder griffen ihn in den folgenden Jahren zustimmend wie ablehnend auf.
Rücktritt, Strafverfahren und Freispruch
Ab Ende 2011 sah sich Wulff öffentlichen Vorwürfen ausgesetzt. Im Februar 2012 trat er nach knapp zwanzig Monaten im Amt zurück.1, 3 Damit war innerhalb von weniger als zwei Jahren zum zweiten Mal ein Bundespräsident vorzeitig aus dem Amt geschieden. Sein Nachfolger wurde Gauck, gegen den er sich 2010 noch durchgesetzt hatte.
Gegen Wulff wurde anschließend ein Strafverfahren vor dem Landgericht Hannover geführt. Es endete 2014 mit einem Freispruch.2
Lebenslauf von Christian Wulff
- 1959Geburt in Osnabrück1, 2
- 2003 bis 2010Ministerpräsident von Niedersachsen1, 3
- 2010Wahl zum Bundespräsidenten1
- 2012Rücktritt als Bundespräsident nach öffentlichen Vorwürfen1, 3
- 2014Freispruch im Strafverfahren vor dem Landgericht Hannover2
Christian Wulff im Steckbrief
- Name
- Christian Wulff
- Geboren
- 19. Juni 1959
- Geburtsort
- Osnabrück
- Alter
- 67 Jahre (Stand 11. Oktober 2026)
- Tätigkeit
- Jurist und Politiker (CDU)
- Thema
- Politik
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Das Alter ist zum 11. Oktober 2026 berechnet.
Häufige Fragen zu Christian Wulff
Wie alt ist Christian Wulff?
67 Jahre, Stand Oktober 2026. Christian Wulff kam am 19. Juni 1959 in Osnabrück zur Welt und wird am 19. Juni 2027 68 Jahre alt.
Warum ist Christian Wulff als Bundespräsident zurückgetreten?
Wulff trat im Februar 2012 nach öffentlichen Vorwürfen zurück.1 Das darauf folgende Strafverfahren vor dem Landgericht Hannover endete 2014 mit einem Freispruch.2
Was hat Christian Wulff über den Islam gesagt?
In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2010 sagte Wulff, neben Christentum und Judentum gehöre inzwischen auch der Islam zu Deutschland. Der Satz wurde viel diskutiert und wird in der Debatte über Integration bis heute zitiert.
Wie lange war Christian Wulff Bundespräsident?
Knapp zwei Jahre. Die Bundesversammlung wählte ihn 2010, im Februar 2012 trat er zurück. Sein Nachfolger wurde Joachim Gauck, gegen den er sich bei der Wahl 2010 durchgesetzt hatte.1
Wo wurde Christian Wulff geboren?
In Osnabrück. Dort kam Christian Wulff am 19. Juni 1959 zur Welt.
Quellen
- LeMO Biografie Christian Wulff. Haus der Geschichte, LeMO. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.hdg.de/lemo/biografie/christian-wulff.html
- Deutschlandfunk: Freispruch für Christian Wulff (2014). Deutschlandfunk. Redaktionelle Sekundärquelle.https://www.deutschlandfunk.de/freispruch-fuer-ex-bundespraesident-christian-wulff-eine-100.html
- Ex-Bundespräsident Christian Wulff: Stationen seiner Karriere · ndr.de. NDR. Redaktionelle Sekundärquelle.https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/wulff877~_backId-wulff2882.html
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



