Ein Kreisarzt mit eigenem Labor
Koch studierte Medizin in Göttingen und schloss das Studium 1866 mit Staatsexamen und Promotion ab.1 Danach arbeitete er als Arzt an verschiedenen Orten, ab den 1870er-Jahren als Kreisphysikus in Wollstein in der damaligen Provinz Posen. Neben der Praxis richtete er sich dort ein kleines Labor ein.
1876 wies er nach, dass der Milzbranderreger die Erkrankung auslöst.1, 5 Er verfolgte den Lebenszyklus des Bakteriums samt seiner widerstandsfähigen Sporen und konnte die Krankheit mit gezüchteten Erregern auf Versuchstiere übertragen. Damit war ein bestimmtes Bakterium als Ursache einer bestimmten Krankheit belegt. Die Kriterien, nach denen ein Mikroorganismus als Auslöser einer Krankheit gelten kann, sind bis heute als Henle-Koch-Postulate bekannt, benannt nach Koch und seinem Göttinger Lehrer Jakob Henle.
Tuberkulose und Cholera
1880 holte man Koch an das Kaiserliche Gesundheitsamt nach Berlin. Dort entwickelte er Methoden weiter, die in der Mikrobiologie bis heute zum Handwerk gehören: Bakterien wurden auf festen Nährböden rein gezüchtet, gezielt angefärbt und unter dem Mikroskop fotografiert.
Am 24. März 1882 stellte er in Berlin vor, dass er den Erreger der Tuberkulose identifiziert hatte.1, 5 Die Krankheit war damals eine der häufigsten Todesursachen in Europa. An das Datum erinnert heute der Welttuberkulosetag.
1883 und 1884 reiste Koch nach Ägypten und Indien, um die Cholera zu untersuchen, und beschrieb dort ihren Erreger. Als Erster beobachtet hatte ihn allerdings schon 1854 der italienische Anatom Filippo Pacini, dessen Arbeit lange kaum beachtet wurde. Weniger erfolgreich war 1890 das Tuberkulin, das Koch als Heilmittel gegen die Tuberkulose vorstellte und das die Erwartungen nicht erfüllte.
Ein eigenes Institut und der Nobelpreis
Ab 1891 leitete Koch das neu gegründete Institut für Infektionskrankheiten in Berlin.1 Aus ihm ging das heutige Robert Koch-Institut hervor, das als Bundesinstitut Infektionskrankheiten überwacht und erforscht.
Immer wieder reiste Koch in andere Erdteile, um Seuchen vor Ort zu untersuchen, darunter Rinderpest, Pest und Malaria. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten zur Tuberkulose.2
Atoxyl-Versuche in Ostafrika
Zu Kochs Biografie gehört auch Forschung, die das Robert Koch-Institut heute ausdrücklich kritisch aufarbeitet.3 1906 und 1907 leitete er eine Expedition nach Ostafrika, um die Schlafkrankheit zu erforschen. Dabei behandelte er Erkrankte mit Atoxyl, einem arsenhaltigen Mittel, auch in hohen Dosen. Bei einem Teil der Behandelten kam es zu schweren Nebenwirkungen bis hin zur Erblindung.3
Außerdem setzte Koch sich dafür ein, Erkrankte in abgesperrten Lagern zu isolieren. Die Versuche fanden unter kolonialer Herrschaft statt. Das RKI ordnet sie heute als Teil seines kolonialmedizinischen Erbes ein.3
Lebenslauf von Robert Koch
- 1843Geburt in Clausthal, heute Clausthal-Zellerfeld1, 2, 3, 4
- 1866Staatsexamen und Promotion in Medizin in Göttingen1
- 1876Nachweis des Zusammenhangs zwischen Milzbranderreger und Erkrankung1, 5
- 1882Identifizierung des Tuberkuloseerregers1, 5
- ab 1891Leitung des neu gegründeten Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin1
- 1905Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten zur Tuberkulose2
- 1906 bis 1907Expedition nach Ostafrika zur Schlafkrankheit, Versuche mit Atoxyl3
- 1910Tod in Baden-Baden1, 2, 3, 4
Robert Koch im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Robert Koch
- Weitere Namen
- Heinrich Hermann Robert Koch
- Geboren
- 11. Dezember 1843
- Geburtsort
- Clausthal, heute Clausthal-Zellerfeld
- Gestorben
- 27. Mai 1910
- Sterbeort
- Baden-Baden
- Alter beim Tod
- 66 Jahre
- Tätigkeit
- Mediziner, Bakteriologe und Nobelpreisträger
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, 3, 4, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Robert Koch
Wie alt wurde Robert Koch?
Robert Koch wurde 66 Jahre alt. Geboren am 11. Dezember 1843 in Clausthal, heute Clausthal-Zellerfeld. Gestorben am 27. Mai 1910. Sterbeort: Baden-Baden.
Was hat Robert Koch entdeckt?
1882 identifizierte er den Erreger der Tuberkulose, schon 1876 hatte er nachgewiesen, dass der Milzbranderreger die Krankheit auslöst.1, 5 Den Cholera-Erreger beschrieb er auf einer Reise 1883 und 1884, zuerst beobachtet hatte ihn aber bereits Filippo Pacini.
Warum heißt das RKI nach Robert Koch?
Koch leitete ab 1891 das neu gegründete Institut für Infektionskrankheiten in Berlin. Aus diesem Institut ging das heutige Robert Koch-Institut hervor, das den Namen seines ersten Leiters trägt.1
Was ist an Kochs Forschung in Afrika umstritten?
Auf einer Expedition nach Ostafrika 1906 und 1907 behandelte er Menschen mit Schlafkrankheit mit dem arsenhaltigen Mittel Atoxyl, auch in hohen Dosen. Es kam zu schweren Nebenwirkungen bis zur Erblindung. Das RKI arbeitet diese Versuche heute kritisch auf.3
Wo ist Robert Koch gestorben?
Als Sterbeort ist Baden-Baden belegt. Gestorben am 27. Mai 1910.
Unter welchen Namen ist Robert Koch noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Heinrich Hermann Robert Koch. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- RKI · Robert Koch · Lebenslauf, Reisen und Kongresse Robert Kochs in tabellarischer Form. rki.de. Institutionelle Primärquelle.https://www.rki.de/DE/Institut/Das-RKI/Geschichte/Robert-Koch/Robert_Koch_Lebenslauf.html
- Robert Koch · Biographical · NobelPrize.org. nobelprize.org. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.nobelprize.org/prizes/medicine/1905/koch/biographical/?iframeView=true
- Umgang mit dem kolonialmedizinischen Erbe im RKI. rki.de. Institutionelle Primärquelle.https://www.rki.de/DE/Institut/Das-RKI/Geschichte/Kolonialmedizinisches-Erbe/kolonialmedizinisches-erbe-node.html
- Stichtag · 27. Mai 1910 · Todestag des Mediziners Robert Koch. WDR. Öffentlich-rechtlicher Sender; datierte Darstellung.https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-robert-koch-100.html
- LeMO Biografie · Robert Koch. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/robert-koch
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



