Raketenbegeisterung und Heereswaffenamt
Schon als Jugendlicher begeisterte sich von Braun für die Raumfahrt. Die Schriften des Raketenpioniers Hermann Oberth beeindruckten ihn, und in Berlin experimentierte er im Verein für Raumschiffahrt mit Flüssigkeitsraketen.
Nach dem Studium des Maschinenbaus begann er 1932 für das Heereswaffenamt zu arbeiten, das Raketen als mögliche Waffe erprobte. Damit entwickelte er schon in den 1930er-Jahren Raketen für das deutsche Militär.1, 3 1934 wurde er mit einer Arbeit über Flüssigkeitsraketen promoviert, die wegen ihres militärischen Inhalts geheim blieb.
Peenemünde und die A4
Mitte der 1930er-Jahre baute das Militär auf der Insel Usedom die Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf, deren technische Entwicklung von Braun leitete.1, 3 Dort entstand die A4, eine große Flüssigkeitsrakete, die eine Sprengladung über Hunderte Kilometer tragen konnte. 1943 räumte Adolf Hitler dem Programm höchste Dringlichkeit ein.
Die NS-Propaganda nannte die Rakete V2, „Vergeltungswaffe 2“. Ab September 1944 wurde sie vor allem auf London und Antwerpen abgefeuert. Tausende Menschen kamen dabei ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten.
Zwangsarbeit im Mittelwerk
Gebaut wurde die Rakete vor allem im Mittelwerk, einer unterirdischen Anlage im Kohnstein bei Nordhausen am Südrand des Harzes.1, 2 Die Arbeit mussten Häftlinge des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora leisten. Tausende von ihnen starben an Hunger, Kälte, Krankheiten und Misshandlungen oder wurden ermordet. Nach Einschätzung von Historikern kamen bei der Herstellung der V2 mehr Menschen ums Leben als durch ihren Einsatz.
Von Braun war Mitglied der NSDAP und der SS.1, 2 Er besuchte das Mittelwerk mehrfach, und die Forschung geht davon aus, dass ihm die Zustände dort bekannt waren. Seine Mitverantwortung für den Einsatz der Häftlinge wurde nach dem Krieg lange ausgeblendet und erst Jahrzehnte später gründlich untersucht.
Von Huntsville zur Saturn V
1945 ging von Braun mit weiteren deutschen Raketenspezialisten in die USA und arbeitete dort zunächst für die Armee.1, 3 Die Gruppe startete erbeutete V2-Raketen in New Mexico und zog später nach Huntsville in Alabama. Eine von seinem Team entwickelte Rakete brachte 1958 den ersten amerikanischen Satelliten Explorer 1 in die Umlaufbahn.
Ab 1960 leitete er das Marshall Space Flight Center der NASA.1, 4 Dort entstanden die Saturn-Raketen, darunter die Saturn V, die im Juli 1969 die Besatzung von Apollo 11 auf den Weg zum Mond brachte. Die Rakete war das Ergebnis der Arbeit Tausender Ingenieure und vieler Firmen, von Braun stand an der Spitze des Entwicklungsteams.1, 2
1972 verließ er die NASA und wechselte in die Industrie.1 In den USA galt er lange vor allem als Held der Raumfahrt. Heute werden seine technischen Leistungen und seine Rolle im NS-Staat gemeinsam betrachtet.
Lebenslauf von Wernher von Braun
- 1912Geburt in Wirsitz, heute Wyrzysk, Polen1, 2, 3
- 1930er-JahreRaketenentwicklung für das Militär, Leitung der technischen Entwicklung in Peenemünde1, 3
- NS-ZeitMitglied von NSDAP und SS, Bau der A4/V2 unter Einsatz von KZ-Zwangsarbeit1, 2
- 1945Wechsel in die USA mit weiteren Raketenspezialisten, Arbeit für das US-Militär1, 3
- ab 1960Direktor des Marshall Space Flight Center der NASA, Entwicklung der Saturn-Raketen1, 4
- 1969Die Saturn V seines Entwicklungsteams startet die Mission Apollo 111, 2
- 1972Abschied von der NASA1
- 1977Tod in Alexandria, Virginia, USA1, 2, 3
Wernher von Braun im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Wernher von Braun
- Weitere Namen
- Wernher Freiherr von Braun
- Geboren
- 23. März 1912
- Geburtsort
- Wirsitz, heute Wyrzysk, Polen
- Gestorben
- 16. Juni 1977
- Sterbeort
- Alexandria, Virginia, USA
- Alter beim Tod
- 65 Jahre
- Tätigkeit
- Raketeningenieur und Raumfahrtmanager
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, 3, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Wernher von Braun
Wie alt wurde Wernher von Braun?
Wernher von Braun wurde 65 Jahre alt. Geboren am 23. März 1912 in Wirsitz, heute Wyrzysk, Polen. Gestorben am 16. Juni 1977. Sterbeort: Alexandria, Virginia, USA.
Was hatte Wernher von Braun mit der V2 zu tun?
Er leitete in Peenemünde die technische Entwicklung der Rakete A4, die als V2 gegen Städte wie London und Antwerpen eingesetzt wurde. Gebaut wurde sie unter Einsatz von KZ-Häftlingen, von denen Tausende ums Leben kamen.1, 2
Welchen Anteil hatte von Braun an der Mondlandung?
Als Direktor des Marshall Space Flight Center leitete er ab 1960 das Team, das die Saturn-Raketen entwickelte. Eine Saturn V startete im Juli 1969 die Mission Apollo 11.1, 4 Die Rakete war ein Gemeinschaftswerk vieler Ingenieure und Firmen, keine Erfindung eines Einzelnen.
War Wernher von Braun in der SS?
Ja, er war Mitglied der NSDAP und der SS.1, 2 Zum Jahr seines Eintritts in die SS machen Überblicksquellen unterschiedliche Angaben, deshalb steht hier keine Jahreszahl. Gründlich wissenschaftlich aufgearbeitet wurde seine Rolle im NS-Staat erst Jahrzehnte nach dem Krieg.
Wo ist Wernher von Braun gestorben?
Als Sterbeort ist Alexandria, Virginia, USA belegt. Gestorben am 16. Juni 1977.
Unter welchen Namen ist Wernher von Braun noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Wernher Freiherr von Braun. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- LeMO Biografie · Wernher Freiherr von Braun. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/wernher-freiherr-von-braun
- Wernher von Braun. Wikipedia (deutsch). Enzyklopädie; Einzelbelege und Versionsstand mitprüfen.https://de.wikipedia.org/wiki/Wernher_von_Braun
- 23. März 1912 · Wernher von Braun wird geboren, Stichtag · Stichtag · WDR. WDR. Öffentlich-rechtlicher Sender oder redaktionelles Senderprofil.https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag2758.amp
- Wernher von Braun · Biografie WHO'S WHO. whoswho.de. Redaktionelle Sekundärquelle oder ergänzendes Nachschlagewerk.https://whoswho.de/bio/wernher-von-braun.html
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



