Von Augsburg zur Dreigroschenoper
Brecht wuchs in Augsburg auf und schrieb schon als junger Mann Gedichte und erste Stücke. In den 1920er-Jahren ließ er sich in Berlin nieder, damals das Zentrum des deutschen Theaters. Etwa zur selben Zeit begann er, sich intensiv mit den Schriften von Karl Marx zu beschäftigen. Die Bühne sollte für ihn fortan gesellschaftliche Verhältnisse zeigen, und zwar als etwas, das Menschen gemacht haben und deshalb auch ändern können.
1928 kam im Berliner Theater am Schiffbauerdamm „Die Dreigroschenoper“ heraus, mit Musik von Kurt Weill.1 Vorlage war die englische „Bettleroper“ von John Gay aus dem 18. Jahrhundert. Brecht verlegte die Handlung in ein Londoner Milieu aus Bettlern, Dieben und Prostituierten rund um den Gangster Macheath, genannt Mackie Messer. Die Lieder des Stücks verbreiteten sich weit über das Theater hinaus.
Episches Theater und Verfremdung
Das herkömmliche Theater setzte darauf, dass die Zuschauer mit den Figuren mitfühlen und sich in die Handlung hineinziehen lassen. Brecht wollte das Gegenteil. Sein Publikum sollte das Geschehen mit Abstand betrachten und sich ein eigenes Urteil bilden. Diese Form nannte er episches Theater.1
In seinen Stücken und Inszenierungen unterbrachen Lieder die Handlung, Schauspieler wandten sich direkt an den Saal, Tafeln und Projektionen kündigten an, was als Nächstes geschehen würde. Den Kern dieser Technik beschrieb Brecht als Verfremdungseffekt: Vertrautes wird so ungewohnt gezeigt, dass man es mit neuen Augen sieht und als veränderbar erkennt.
Exil und die großen Stücke
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ Brecht 1933 Deutschland.1 Er lebte lange in Dänemark, später in Schweden und Finnland und schließlich in den USA.1 Eine eigene Bühne hatte er in diesen Jahren nicht, geschrieben hat er umso mehr.
Im Exil entstanden einige seiner bekanntesten Werke, darunter „Mutter Courage und ihre Kinder“ und „Leben des Galilei“.1 „Mutter Courage“ zeigt eine Händlerin, die im Dreißigjährigen Krieg vom Krieg leben will und dabei ihre Kinder verliert. Im „Galilei“ geht es um die Verantwortung der Wissenschaft, als der Astronom seine Erkenntnisse unter dem Druck der Inquisition widerruft. Auch „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Der kaukasische Kreidekreis“ stammen aus dieser Zeit. 1947 verließ Brecht die USA und ging zunächst in die Schweiz.
Das Berliner Ensemble
1949 gründete er gemeinsam mit der Schauspielerin Helene Weigel in Ost-Berlin das Berliner Ensemble.1 Weigel leitete das Haus, Brecht inszenierte dort seine eigenen Stücke und erprobte seine Vorstellungen vom Theater mit einem festen Ensemble. Ab 1954 spielte die Truppe im Theater am Schiffbauerdamm, also an dem Ort, an dem einst „Die Dreigroschenoper“ Premiere gehabt hatte.
Wer Brecht einfach als DDR-Bürger beschreibt, macht es sich zu leicht. Exil, Staatsangehörigkeit und Arbeitsort waren bei ihm verschiedene Dinge. Er arbeitete zwar in Ost-Berlin, nahm aber die österreichische Staatsbürgerschaft an.2 Bis zu seinem Tod im August 1956 blieb das Berliner Ensemble der Mittelpunkt seiner Arbeit.
Lebenslauf von Bertolt Brecht
- 1898Geburt in Augsburg1
- 1928Uraufführung der „Dreigroschenoper“ mit Musik von Kurt Weill in Berlin1
- 1933Gang ins Exil nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten1
- ExiljahreLeben unter anderem in Dänemark und den USA, Arbeit an „Mutter Courage“ und „Leben des Galilei“1
- 1949Gründung des Berliner Ensembles mit Helene Weigel in Ost-Berlin1
- 1956Tod in Berlin1
Bertolt Brecht im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Bertolt Brecht
- Weitere Namen
- Eugen Berthold Friedrich Brecht, Berthold Brecht
- Geboren
- 10. Februar 1898
- Geburtsort
- Augsburg
- Gestorben
- 14. August 1956
- Sterbeort
- Berlin
- Alter beim Tod
- 58 Jahre
- Tätigkeit
- Dramatiker, Lyriker und Theaterregisseur
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Bertolt Brecht
Wie alt wurde Bertolt Brecht?
Bertolt Brecht wurde 58 Jahre alt. Geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg. Gestorben am 14. August 1956. Sterbeort: Berlin.
Was ist episches Theater?
Eine Theaterform, die Brecht mit Stücken und Schriften prägte. Das Publikum soll sich nicht in die Figuren einfühlen, sondern das Geschehen kritisch betrachten. Lieder, direkte Ansprache und der Verfremdungseffekt durchbrechen dafür bewusst die Illusion auf der Bühne.1
Wer schrieb die Musik zur „Dreigroschenoper“?
Der Komponist Kurt Weill. Das Stück wurde 1928 in Berlin uraufgeführt und machte Brecht und Weill einem großen Publikum bekannt. Die Vorlage war die englische „Bettleroper“ von John Gay.1
Was ist das Berliner Ensemble?
Ein Theater in Berlin, das Brecht 1949 gemeinsam mit der Schauspielerin Helene Weigel in Ost-Berlin gründete. Weigel leitete das Haus, Brecht inszenierte dort seine Stücke. Seit 1954 spielt das Ensemble im Theater am Schiffbauerdamm.1
Wo ist Bertolt Brecht gestorben?
Als Sterbeort ist Berlin belegt. Gestorben am 14. August 1956.
Unter welchen Namen ist Bertolt Brecht noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Eugen Berthold Friedrich Brecht, Berthold Brecht. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- LeMO Biografie · Bertolt Brecht. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/bertolt-brecht
- Brecht, Bertolt · Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. bundesstiftung-aufarbeitung.de. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/kataloge-datenbanken/biographische-datenbanken/bertolt-brecht
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



