Ein junger Kaiser und der Bruch mit Bismarck
1888 ging als Dreikaiserjahr in die Geschichte ein. Auf Wilhelm I. folgte im März Friedrich III., der schon nach gut drei Monaten starb. Im Juni bestieg dessen Sohn Wilhelm mit 29 Jahren den Thron.1
Der neue Monarch wollte selbst regieren und geriet rasch mit Reichskanzler Otto von Bismarck aneinander, vor allem über den Umgang mit der Arbeiterbewegung. 1890 entließ er den Kanzler, der das Reich fast zwei Jahrzehnte geführt hatte.1 In den folgenden Jahren griff Wilhelm immer wieder selbst in die Politik ein, Kritiker und später auch Historiker sprachen vom „persönlichen Regiment“. Seine unbedachten Auftritte lösten mehrfach Krisen aus, etwa 1908 mit einem Interview in der britischen Zeitung „Daily Telegraph“.
Flotte, Weltpolitik und koloniale Gewalt
Unter Wilhelm II. beanspruchte das Reich eine Rolle als Weltmacht. Gemeinsam mit Admiral Alfred von Tirpitz trieb er ab 1898 den Aufbau einer großen Schlachtflotte voran, die Großbritannien herausforderte und das Verhältnis zwischen beiden Ländern schwer belastete.1 Militär und Rüstung genossen im Kaiserreich ein enormes Ansehen, und die Ausgaben für Heer und Marine stiegen stark.
Zur Weltpolitik gehörten auch koloniale Ambitionen, und die Kolonialherrschaft wurde mit großer Gewalt durchgesetzt.1 In Deutsch-Südwestafrika schlugen deutsche Truppen von 1904 bis 1908 die Aufstände der Herero und Nama nieder und verübten dabei einen Völkermord, den die Bundesregierung 2021 offiziell als solchen anerkannte. In Deutsch-Ostafrika verwüstete die Kolonialmacht im Maji-Maji-Krieg ganze Landstriche. Der Kaiser selbst heizte die Stimmung an: In der sogenannten Hunnenrede forderte er 1900 die Soldaten, die gegen den Boxeraufstand nach China zogen, zu gnadenlosem Vorgehen auf.
Staatsoberhaupt im Ersten Weltkrieg
In der Julikrise 1914 sicherte die deutsche Führung Österreich-Ungarn nach dem Attentat von Sarajevo ihre bedingungslose Unterstützung zu. Damit trug sie dazu bei, dass aus dem Konflikt auf dem Balkan ein Krieg der Großmächte wurde. Als Staatsoberhaupt und oberster Kriegsherr stand Wilhelm II. an der Spitze des Reiches.1
Im Verlauf des Krieges verlor er jedoch an Einfluss. Ab 1916 bestimmte die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff zunehmend auch die Politik. Der Krieg, in dem Millionen Soldaten und Zivilisten starben, endete 1918 mit der deutschen Niederlage.
Abdankung und Exil in Doorn
Im November 1918, mitten in der Revolution, verkündete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers, ohne dessen Zustimmung abzuwarten. Wilhelm ging ins Exil in die Niederlande und unterschrieb dort Ende November den förmlichen Thronverzicht.1 Die Monarchie in Deutschland war damit beendet.
Ab 1920 lebte er auf Haus Doorn, einem Landsitz in der Provinz Utrecht. Auf eine Rückkehr auf den Thron hoffte er vergeblich. Er starb 1941 in Doorn, zu einer Zeit, als die Niederlande von der deutschen Wehrmacht besetzt waren. Das Anwesen ist heute ein Museum.
Lebenslauf von Wilhelm II.
- 1859Geburt in Berlin1
- 1888Thronbesteigung als Deutscher Kaiser und König von Preußen1
- 1890Entlassung von Reichskanzler Otto von Bismarck1
- 1914 bis 1918Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg1
- 1918Ende der Monarchie und Gang ins Exil in die Niederlande1
- 1941Tod in Doorn, Niederlande1
Wilhelm II. im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Wilhelm II.
- Weitere Namen
- Wilhelm der Zweite
- Geboren
- 27. Januar 1859
- Geburtsort
- Berlin
- Gestorben
- 4. Juni 1941
- Sterbeort
- Doorn, Niederlande
- Alter beim Tod
- 82 Jahre
- Tätigkeit
- Deutscher Kaiser und König von Preußen
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Wilhelm II.
Wie alt wurde Wilhelm II.?
Wilhelm II. wurde 82 Jahre alt. Geboren am 27. Januar 1859 in Berlin. Gestorben am 4. Juni 1941. Sterbeort: Doorn, Niederlande.
Warum entließ Wilhelm II. Bismarck?
Der junge Kaiser wollte selbst die Richtung vorgeben und war mit Bismarcks Kurs nicht einverstanden, besonders im Umgang mit der Arbeiterbewegung und dem Sozialistengesetz. 1890 musste der Reichskanzler gehen.1
Wann dankte Wilhelm II. ab?
Im November 1918. Reichskanzler Max von Baden gab die Abdankung während der Revolution bekannt, bevor der Kaiser zugestimmt hatte. Wilhelm ging in die Niederlande und unterzeichnete dort Ende November seinen Verzicht auf den Thron.1
Wo lebte Wilhelm II. im Exil?
In den Niederlanden, ab 1920 auf Haus Doorn, einem Landsitz in der Provinz Utrecht. Dort starb er 1941.1 Das Anwesen ist heute ein Museum und erinnert an den letzten Deutschen Kaiser.
Wo ist Wilhelm II. gestorben?
Als Sterbeort ist Doorn, Niederlande belegt. Gestorben am 4. Juni 1941.
Unter welchen Namen ist Wilhelm II. noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Wilhelm der Zweite. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- LeMO Biografie · Wilhelm II. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/wilhelm-ii
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



