Mit drei Kriegen zur Reichsgründung
1862 holte König Wilhelm I. den konservativen Gutsbesitzer und erfahrenen Diplomaten an die Spitze der preußischen Regierung.1 Preußen steckte mitten im Verfassungskonflikt um die Heeresreform, und Bismarck regierte jahrelang ohne einen vom Parlament bewilligten Haushalt. Bekannt wurde seine Aussage, die großen Fragen der Zeit würden durch Eisen und Blut entschieden.
Die Einigung kam tatsächlich über drei Kriege: 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870 und 1871 gegen Frankreich. Nach dem Sieg über Österreich entstand der Norddeutsche Bund, dessen Kanzler Bismarck 1867 wurde.1 Im Januar 1871 wurde der preußische König im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen, und Bismarck übernahm das Amt des Reichskanzlers.1
Kulturkampf, Sozialistengesetz und Sozialversicherung
Im Inneren ging Bismarck hart gegen Gruppen vor, die er als Gegner des neuen Reiches ansah. Im Kulturkampf der 1870er-Jahre drängte der Staat den Einfluss der katholischen Kirche zurück: Der Jesuitenorden wurde verboten, die Zivilehe eingeführt, zahlreiche Bischöfe und Priester wurden abgesetzt oder inhaftiert.1 1878 folgte das Sozialistengesetz. Es verbot sozialdemokratische Vereine, Versammlungen und Zeitungen und galt bis 1890.1
Zugleich wollte Bismarck die Arbeiterschaft mit sozialen Reformen an den Staat binden. 1883 entstand die Krankenversicherung, 1884 die Unfallversicherung und 1889 die Invaliditäts- und Altersversicherung.1 Damit legte das Kaiserreich, auch aus politischem Kalkül, einen Grundstein des deutschen Sozialstaats.
Bündnisse in Europa, Kolonien in Übersee
Nach 1871 erklärte Bismarck das Reich für saturiert, also ohne weitere Gebietsansprüche in Europa. Sein Ziel war, Frankreich zu isolieren und einen Krieg gegen mehrere Großmächte zugleich zu verhindern.1 Dazu knüpfte er ein Geflecht von Verträgen, vom Zweibund mit Österreich-Ungarn 1879 über den Dreibund mit Italien 1882 bis zum geheimen Rückversicherungsvertrag mit Russland 1887. 1878 leitete er in Berlin den Kongress, der die Lage auf dem Balkan neu ordnete.
Kolonien hielt Bismarck lange für zu teuer und riskant. 1884 und 1885 stellte das Reich dann doch Gebiete in Afrika und im Pazifik unter seinen Schutz, darunter Deutsch-Südwestafrika, Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika. Auf der Berliner Konferenz, zu der Bismarck eingeladen hatte, legten die europäischen Mächte Regeln für die Aufteilung Afrikas fest, ohne die Menschen dort zu fragen. Die deutsche Kolonialherrschaft, die damit begann, brachte in den folgenden Jahrzehnten Ausbeutung und Gewalt bis hin zum Völkermord an den Herero und Nama.
Der Bruch mit Wilhelm II. und die letzten Jahre
Nach dem Tod Wilhelms I. und der kurzen Regierungszeit Friedrichs III. bestieg 1888 Wilhelm II. den Thron. Der junge Kaiser wollte selbst regieren, über die Arbeiterpolitik und die Zukunft des Sozialistengesetzes kam es zum Bruch. 1890 musste Bismarck gehen.1
Seine letzten Jahre verbrachte er auf seinem Gut Friedrichsruh östlich von Hamburg und kritisierte von dort die Politik seiner Nachfolger. Seine Erinnerungen erschienen nach seinem Tod 1898 unter dem Titel „Gedanken und Erinnerungen“. In ganz Deutschland entstanden danach Bismarck-Türme und Denkmäler, die vom Kult um den Reichsgründer zeugen.
Lebenslauf von Otto von Bismarck
- 1815Geburt in Schönhausen an der Elbe1
- 1862Ernennung zum preußischen Ministerpräsidenten1
- 1867Kanzler des Norddeutschen Bundes1
- 1871 bis 1890Erster Reichskanzler des neu gegründeten Deutschen Kaiserreichs1
- 1890Entlassung durch Wilhelm II. nach Streit über die Arbeiterpolitik1
- 1898Tod in Friedrichsruh1
Otto von Bismarck im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Otto von Bismarck
- Weitere Namen
- Otto Fürst von Bismarck
- Geboren
- 1. April 1815
- Geburtsort
- Schönhausen an der Elbe
- Gestorben
- 30. Juli 1898
- Sterbeort
- Friedrichsruh
- Alter beim Tod
- 83 Jahre
- Tätigkeit
- Politiker und Reichskanzler
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Otto von Bismarck
Wie alt wurde Otto von Bismarck?
Otto von Bismarck wurde 83 Jahre alt. Geboren am 1. April 1815 in Schönhausen an der Elbe. Gestorben am 30. Juli 1898. Sterbeort: Friedrichsruh.
Was war der Kulturkampf?
So heißt die Auseinandersetzung zwischen dem Staat unter Bismarck und der katholischen Kirche in den 1870er-Jahren. Mit Gesetzen wie dem Jesuitenverbot und der Zivilehe sollte der kirchliche Einfluss auf Schule und Gesellschaft zurückgedrängt werden.1
Was hat Bismarck mit der Sozialversicherung zu tun?
In seiner Zeit als Reichskanzler entstanden die Kranken-, die Unfall- sowie die Invaliditäts- und Altersversicherung für Arbeiter. Bismarck wollte die Arbeiterschaft so an den Staat binden und der Sozialdemokratie Anhänger abwerben, die er zugleich mit dem Sozialistengesetz unterdrückte.1
Wer entließ Bismarck?
Kaiser Wilhelm II. Der junge Monarch und der Kanzler stritten über die Arbeiterpolitik und darüber, wer die Richtung vorgibt. 1890 endete Bismarcks Zeit als Reichskanzler nach fast zwei Jahrzehnten.1
Wo ist Otto von Bismarck gestorben?
Als Sterbeort ist Friedrichsruh belegt. Gestorben am 30. Juli 1898.
Unter welchen Namen ist Otto von Bismarck noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Otto Fürst von Bismarck. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- LeMO Biografie · Otto von Bismarck. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/otto-bismarck
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



