Studium bei Heidegger und Jaspers
Arendt studierte Philosophie, evangelische Theologie und Griechisch in Marburg, Freiburg und Heidelberg.1 Zu ihren Lehrern gehörten Martin Heidegger und Edmund Husserl. In Heidelberg wurde sie 1928 bei Karl Jaspers mit einer Arbeit über den Liebesbegriff bei Augustinus promoviert.1
Danach arbeitete sie an einer Studie über Rahel Varnhagen, eine Berliner Jüdin der Goethezeit, deren Salon ein Treffpunkt von Dichtern und Gelehrten gewesen war. Das Buch erschien erst Jahrzehnte später.
Flucht, Staatenlosigkeit und Neubeginn in New York
1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, verließ Arendt Deutschland und ging nach Frankreich.1 In Paris arbeitete sie für jüdische Hilfsorganisationen, unter anderem für die Jugend-Alija, die jüdische Jugendliche auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitete. 1937 wurde sie ausgebürgert und war damit staatenlos.
Nach dem deutschen Angriff auf Frankreich wurde sie 1940 im Lager Gurs interniert, konnte aber entkommen. 1941 gelangte sie über Lissabon nach New York.1 Zehn Jahre später erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie schrieb fortan überwiegend auf Englisch und lehrte an verschiedenen Hochschulen, darunter die University of Chicago und die New School for Social Research in New York.
Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
1951 erschien ihr erstes großes Werk, „The Origins of Totalitarianism“, auf Deutsch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.1 Arendt verfolgte darin Antisemitismus und Imperialismus als Vorgeschichte und beschrieb Nationalsozialismus und Stalinismus als neuartige Form der Herrschaft, die auf Ideologie und Terror beruhte und in den Lagern ihr Zentrum hatte.
Ausführlich schrieb sie über Staatenlose: Wer keinem Staat angehöre, verliere faktisch auch den Schutz der Menschenrechte. Dagegen setzte sie das „Recht, Rechte zu haben“. In „Vita activa“ unterschied sie später Arbeiten, Herstellen und Handeln und setzte sich dabei kritisch mit Karl Marx auseinander. In ihren letzten Jahren stützte sie sich bei der Frage, wie Menschen urteilen, vor allem auf Immanuel Kant.
Eichmann in Jerusalem und die Banalität des Bösen
1961 berichtete Arendt für die Zeitschrift „The New Yorker“ vom Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Eichmann hatte als SS-Funktionär die Deportation von Millionen Juden in die Vernichtungslager organisiert. Arendts Buch dazu erschien 1963 als „Eichmann in Jerusalem“, im Deutschen mit dem Untertitel „Ein Bericht von der Banalität des Bösen“.2
Mit dem Begriff meinte sie nicht, dass die Verbrechen harmlos gewesen seien. Sie beschrieb Eichmann als ehrgeizigen Bürokraten, der weniger aus tiefem Hass als aus der Weigerung gehandelt habe, selbst zu denken und zu urteilen. Das Böse, so ihre These, brauche keine Dämonen; gewöhnliche Menschen könnten es in einem verbrecherischen System verüben.2
Das Buch löste heftigen Streit aus, besonders wegen Arendts Urteil über die Rolle der Judenräte. Spätere Forschungen zeigten zudem, dass Eichmann ein überzeugter Antisemit war, was gegen ihr Bild vom gedankenlosen Funktionär angeführt wurde.
Lebenslauf von Hannah Arendt
- 1906Geburt in Linden, heute Hannover1
- 1924 bis 1928Studium in Marburg, Freiburg und Heidelberg1
- 1928Promotion bei Karl Jaspers in Heidelberg1
- 1933Flucht vor den Nationalsozialisten nach Frankreich1
- 1941Emigration in die USA1
- 1951„The Origins of Totalitarianism“ erscheint1
- 1963„Eichmann in Jerusalem“ und Debatte um die Banalität des Bösen2
- 1975Tod in New York, USA1
Hannah Arendt im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Hannah Arendt
- Geboren
- 14. Oktober 1906
- Geburtsort
- Linden, heute Hannover
- Gestorben
- 4. Dezember 1975
- Sterbeort
- New York, USA
- Alter beim Tod
- 69 Jahre
- Tätigkeit
- Politische Theoretikerin und Publizistin
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Hannah Arendt
Wie alt wurde Hannah Arendt?
Hannah Arendt wurde 69 Jahre alt. Geboren am 14. Oktober 1906 in Linden, heute Hannover. Gestorben am 4. Dezember 1975. Sterbeort: New York, USA.
Was bedeutet „Banalität des Bösen“?
Der Ausdruck stammt aus Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“ von 1963. Er besagt nicht, dass die Verbrechen harmlos waren, sondern dass sie von einem gewöhnlichen, gedankenlosen Funktionär begangen werden konnten, der nicht als dämonischer Täter auftrat.2
War Hannah Arendt Deutsche oder Amerikanerin?
Beides, nacheinander. Sie stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie und war zunächst deutsche Staatsbürgerin. Das NS-Regime bürgerte sie 1937 aus, danach war sie staatenlos. 1951 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Worum geht es in „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“?
Arendt untersuchte darin, wie Nationalsozialismus und Stalinismus entstehen konnten. Sie beschrieb Antisemitismus und Imperialismus als Vorgeschichte und den Totalitarismus als neue Herrschaftsform, die auf Ideologie und Terror beruhte. Das Buch erschien 1951 zuerst auf Englisch.1
Wo ist Hannah Arendt gestorben?
Als Sterbeort ist New York, USA belegt. Gestorben am 4. Dezember 1975.
Quellen
- LeMO Biografie · Hannah Arendt. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/hannah-arendt
- 1975 gestorben: Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt · ndr.de. NDR. Redaktionelle Sekundärquelle.https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/hannah-arendt-und-die-banalitaet-des-boesen%2Channaharendt118.html
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



