Vom Medizinstudium zur Nervenheilkunde
Als kleiner Junge kam Freud nach Wien, ab 1860 wuchs er dort auf. An der Wiener Universität studierte er Medizin, forschte zunächst im Labor und wandte sich dann der Neurologie zu.1, 2
Mitte der 1880er-Jahre ging er für einige Monate nach Paris zu dem Neurologen Jean-Martin Charcot, der Patientinnen mit der damals viel diskutierten Diagnose Hysterie unter Hypnose untersuchte. Zurück in Wien eröffnete Freud eine eigene Praxis für Nervenkrankheiten. Gemeinsam mit dem Arzt Josef Breuer veröffentlichte er 1895 die „Studien über Hysterie“. Darin nahm die Idee Gestalt an, seelische Beschwerden durch das Sprechen über verdrängte Erlebnisse zu behandeln.
Träume als Weg zum Unbewussten
Aus diesen Anfängen entwickelte Freud die Psychoanalyse.1, 2 Die Patientinnen und Patienten sollten frei aussprechen, was ihnen in den Sinn kam, und der Analytiker deutete ihre Einfälle, Träume und Widerstände. Dahinter stand die Annahme, dass verdrängte Erfahrungen und Wünsche weiterwirken, auch wenn sie dem Bewusstsein nicht zugänglich sind.
Um die Jahrhundertwende erschien „Die Traumdeutung“, sein bekanntestes Buch.1 Der Traum war für Freud die verkleidete Erfüllung eines Wunsches. In der „Psychopathologie des Alltagslebens“ untersuchte er Versprecher und Vergessen, später entwarf er mit Es, Ich und Über-Ich ein Modell der Persönlichkeit.
Um ihn bildete sich in Wien ein Kreis von Schülern, aus dem eine internationale Bewegung wurde. Frühe Weggefährten wie Alfred Adler und Carl Gustav Jung trennten sich allerdings von ihm und gründeten eigene Schulen.
Bücherverbrennung, Annexion und Exil
Anfang der 1930er-Jahre wechselte Freud mit Albert Einstein Briefe über die Frage, ob sich Kriege verhindern lassen. Sie erschienen 1933 unter dem Titel „Warum Krieg?“. Im selben Jahr warfen Nationalsozialisten in Deutschland auch Freuds Bücher ins Feuer.
Nach der Annexion Österreichs im März 1938 musste Freud Wien verlassen.1 Als Jude und als Begründer einer Lehre, die die Nationalsozialisten als „jüdische Wissenschaft“ diffamierten, war er dort nicht mehr sicher. Mit Hilfe aus dem Ausland gelang ihm die Emigration nach London, wo er im September 1939 starb, wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs.1, 2
Was von Freuds Lehre geblieben ist
Freuds Begriffe sind weit über die Medizin hinausgewandert. Verdrängung, Ödipuskomplex oder Freudscher Versprecher gehören zum Alltagswortschatz, und Literatur, Film und Kunst haben seine Ideen vielfach aufgegriffen.
Aus heutiger Sicht ist vieles davon Wissenschaftsgeschichte. Etliche seiner Annahmen, etwa über die weibliche Sexualität, gelten als zeitgebunden oder überholt, andere lassen sich empirisch kaum überprüfen. Die moderne Psychotherapie hat sich weit von seinen ursprünglichen Methoden entfernt, auch wenn psychodynamische Verfahren an Grundgedanken von ihm anknüpfen. Eine Empfehlung für die Behandlung heutiger Beschwerden lässt sich aus seinen Schriften nicht ableiten.
Lebenslauf von Sigmund Freud
- 1856Geburt in Freiberg in Mähren, heute Příbor, Tschechien1, 2
- ab 1860Kindheit und Jugend in Wien, später Studium der Medizin1, 2
- nach dem StudiumArbeit in der Neurologie und Entwicklung der Psychoanalyse1, 2
- um 1900Veröffentlichung von „Die Traumdeutung“1
- 1938Emigration nach London nach der nationalsozialistischen Annexion Österreichs1
- 1939Tod in London, Großbritannien1, 2
Sigmund Freud im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Sigmund Freud
- Weitere Namen
- Sigismund Schlomo Freud
- Geboren
- 6. Mai 1856
- Geburtsort
- Freiberg in Mähren, heute Příbor, Tschechien
- Gestorben
- 23. September 1939
- Sterbeort
- London, Großbritannien
- Alter beim Tod
- 83 Jahre
- Tätigkeit
- Arzt, Neurologe und Begründer der Psychoanalyse
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Sigmund Freud
Wie alt wurde Sigmund Freud?
Sigmund Freud wurde 83 Jahre alt. Geboren am 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren, heute Příbor, Tschechien. Gestorben am 23. September 1939. Sterbeort: London, Großbritannien.
Was ist Psychoanalyse?
Die von Freud entwickelte Lehre vom Unbewussten und zugleich eine Form der Behandlung.1, 2 Im Gespräch sollten verdrängte Konflikte über freie Einfälle und die Deutung von Träumen bewusst werden. Die heutige Psychotherapie hat sich in vielem von seinen Methoden gelöst.
Wann erschien „Die Traumdeutung“?
Um die Jahrhundertwende.1 Das Buch kam Ende 1899 heraus, auf dem Titelblatt steht jedoch 1900. Freud deutete darin Träume als verschlüsselte Wunscherfüllungen und sah in ihnen einen Zugang zum Unbewussten.
Warum emigrierte Freud nach London?
Nach der Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 war er als Jude in Wien in Gefahr und musste die Stadt verlassen. Er ging nach London, wo er im September 1939 starb.1
Wo ist Sigmund Freud gestorben?
Als Sterbeort ist London, Großbritannien belegt. Gestorben am 23. September 1939.
Unter welchen Namen ist Sigmund Freud noch bekannt?
Belegt sind auch diese Namen und Schreibweisen: Sigismund Schlomo Freud. Ob es sich um einen bürgerlichen Namen, einen Geburtsnamen oder einen Spitznamen handelt, steht im Text oben.
Quellen
- LeMO Biografie · Sigmund Freud. Deutsches Historisches Museum. Museum, Archiv oder Fachinstitution.https://www.dhm.de/lemo/biografie/sigmund-freud
- Sigmund Freud · Munzinger Biographie. Munzinger Archiv. Biografisches Nachschlagewerk; frei sichtbarer Ausschnitt.https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/sigmund%2Bfreud/00/1039
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



