Vom Kontor in den Hörsaal
Schopenhauer wuchs in einer Kaufmannsfamilie auf, und auch für ihn war zunächst der Handel vorgesehen. Er begann eine kaufmännische Ausbildung, gab diesen Weg aber auf und holte die Schulbildung nach, die ihm für ein Studium fehlte.1 In Göttingen schrieb er sich zuerst für Medizin ein, wandte sich aber bald der Philosophie zu und beschäftigte sich vor allem mit Platon und Immanuel Kant. Danach setzte er sein Studium in Berlin fort.1, 2
1813 wurde er promoviert, mit der Schrift „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“, die er an der Universität Jena eingereicht hatte.1, 2 Anschließend hielt er sich in Weimar auf. Dort kam er mit Johann Wolfgang von Goethe über dessen Farbenlehre ins Gespräch, woraus 1816 seine Abhandlung „Über das Sehn und die Farben“ hervorging.
Ein Buch über Wille und Leid
Sein Hauptwerk schrieb Schopenhauer in Dresden. „Die Welt als Wille und Vorstellung“ trägt auf dem Titelblatt die Jahreszahl 1819, ausgeliefert wurden die ersten Exemplare allerdings schon 1818.1, 2 Die Grundidee knüpft an Kant an. Was wir wahrnehmen, ist Vorstellung, also die Welt, wie sie einem erkennenden Wesen erscheint. Dahinter steht für Schopenhauer der Wille: ein blinder, zielloser Drang, der in Naturkräften ebenso wirkt wie in Tieren und Menschen. Weil er nie dauerhaft gestillt werden kann, ist das Leben für ihn wesentlich Leiden.
Auswege sah er in drei Richtungen. Die Kunst, vor allem die Musik, befreit nach seiner Lehre für Augenblicke vom Drängen des Willens. Das Mitleid bildet die Grundlage der Moral. Am weitesten geht die Verneinung des Willens, wie er sie bei Asketen und Heiligen beschrieb. Dabei bezog er sich auch auf indische Schriften und den Buddhismus, was für einen europäischen Philosophen seiner Zeit ungewöhnlich war.
Erfolglos in Berlin, zurückgezogen in Frankfurt
An der Berliner Universität lehrte Schopenhauer zeitweise als Privatdozent.1, 2 Seine Vorlesung legte er bewusst auf dieselbe Stunde wie die des damals gefeierten Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Die Studenten blieben bei Hegel, eine dauerhafte Lehrtätigkeit kam für Schopenhauer nie zustande. Für Hegel und dessen Schule fand er später nur noch scharfe, oft verächtliche Worte.
Ab 1833 lebte er in Frankfurt am Main, wo er bis zu seinem Tod blieb.1, 2 Ohne akademisches Amt arbeitete er als Privatgelehrter an seinem System weiter und veröffentlichte Schriften zur Naturphilosophie und zur Ethik. 1844 erschien eine stark erweiterte zweite Auflage seines Hauptwerks, nun in zwei Bänden.
Späte Leser und lange Wirkung
Den Durchbruch brachte 1851 „Parerga und Paralipomena“, eine Sammlung kleinerer Schriften, deutlich zugänglicher geschrieben als das Hauptwerk.1, 2 Besonders die darin enthaltenen „Aphorismen zur Lebensweisheit“ fanden viele Leser. In seinen letzten Lebensjahren gewann Schopenhauer endlich das Publikum, auf das er so lange gewartet hatte.1
Nach seinem Tod reichte seine Wirkung weit über die Fachphilosophie hinaus. Der junge Friedrich Nietzsche las ihn begeistert und schrieb die Abhandlung „Schopenhauer als Erzieher“. Richard Wagner fand in seiner Philosophie Anregungen, vor allem für sein Verständnis der Musik. Auch Schriftsteller und Psychologen griffen seine Gedanken über Trieb, Willen und Leiden auf.
Lebenslauf von Arthur Schopenhauer
- 1788Geburt in Danzig, heute Gdańsk, Polen1, 2
- JugendKaufmännische Ausbildung, die er zugunsten eines Studiums aufgab1
- StudienjahreStudium in Göttingen und Berlin1, 2
- 1813Promotion mit einer Schrift über den Satz vom zureichenden Grunde1, 2
- 1819Erscheinungsjahr von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ laut Titelblatt1, 2
- 1851Veröffentlichung von „Parerga und Paralipomena“, danach wachsendes Publikum1, 2
- 1860Tod in Frankfurt am Main1, 2
Arthur Schopenhauer im Steckbrief: Lebensdaten
- Name
- Arthur Schopenhauer
- Geboren
- 22. Februar 1788
- Geburtsort
- Danzig, heute Gdańsk, Polen
- Gestorben
- 21. September 1860
- Sterbeort
- Frankfurt am Main
- Alter beim Tod
- 72 Jahre
- Tätigkeit
- Philosoph
- Thema
- Geschichte & Kultur
Lebenslauf und Steckbrief beruhen auf den Quellen1, 2, Stand der Recherche 9. Oktober 2026. Die Lebensdaten stammen aus denselben Quellen.
Häufige Fragen zu Arthur Schopenhauer
Wie alt wurde Arthur Schopenhauer?
Arthur Schopenhauer wurde 72 Jahre alt. Geboren am 22. Februar 1788 in Danzig, heute Gdańsk, Polen. Gestorben am 21. September 1860. Sterbeort: Frankfurt am Main.
Was ist Schopenhauers Hauptwerk?
„Die Welt als Wille und Vorstellung“, mit der Jahreszahl 1819 auf dem Titelblatt.1, 2 Ausgeliefert wurde die erste Auflage schon 1818. Darin entwickelte Schopenhauer seine Lehre vom blinden Willen, der hinter allen Erscheinungen steht. 1844 folgte eine erweiterte Ausgabe in zwei Bänden.
Warum gilt Schopenhauer als Pessimist?
Weil er das Leben vom Leiden her dachte. Der Wille treibt nach seiner Lehre alle Lebewesen zu immer neuem Begehren, und jede Befriedigung hält nur kurz. Trost fand er in der Kunst, besonders in der Musik, im Mitleid und in der Abkehr vom Wollen.
Stammen die bekannten Schopenhauer-Zitate wirklich von ihm?
Nicht immer. Unter seinem Namen kursieren viele Sprüche, die sich in seinen Schriften nicht finden. Echte Lebensweisheiten stehen etwa in den „Aphorismen zur Lebensweisheit“, die 1851 in „Parerga und Paralipomena“ erschienen.1, 2 Vor dem Zitieren lohnt der Blick in eine verlässliche Ausgabe mit Seitenangabe.
Wo ist Arthur Schopenhauer gestorben?
Als Sterbeort ist Frankfurt am Main belegt. Gestorben am 21. September 1860.
Quellen
- rbb Preußen-Chronik · Arthur Schopenhauer. preussenchronik.de. Redaktionelle Sekundärquelle oder ergänzendes Nachschlagewerk.https://www.preussenchronik.de/person_jsp/key%3Dperson_arthur_schopenhauer.html
- Arthur Schopenhauer. Wikipedia (deutsch). Enzyklopädie; Einzelbelege und Versionsstand mitprüfen.https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Schopenhauer
Stand der Quellen: 9. Oktober 2026.



